SRG Publikumsrat: Schweiz aktuell und Classe Politique

«Classe Politique»: Gute Elemente, Optimierungen erwünscht
Struktur, Schwergewichtsbildung und Themenwahl in «Classe Politique», der Politsendung zum Abschluss der Parlaments-Sessionen, finden Anklang beim Publikumsrat SRG.D. Der Anspruch der Sende-Verantwortlichen von SF, Einblicke hinter die Kulissen der Parlamentsarbeit zu ermöglichen, könnte allerdings noch besser eingelöst werden.
Das Geschehen während der Session in attraktiver Form abbilden und Einblicke hinter die Kulissen des Eidgenössischen Parlaments bieten: Diesen Anspruch erhebt «Classe Politique» im Schweizer Fernsehen. Der Rat erachtet Sendestruktur, Themenwahl und Schwergewichtsbildung als sinnvoll, weist aber darauf hin, dass sich die Sendung nur unwesentlich von ihren Vorgängern «Bernerhof Live» und «Galerie des Alpes» unterscheidet.
Ausserdem sei «Classe Politique» für Polit-Interessierte wohl verständlich, doch weniger engagierte Personen könnten von der inhaltlichen Komplexität der Themen gelegentlich überfordert sein. Moderator Urs Leuthard erhält Bestnoten.
Überwiegend positiv werden die Gespräche mit den jeweiligen Bundesräten beurteilt. Auch die Einspielungen – gelegentlich mit erwünschtem Unterhaltungswert – finden Anklang. Allerdings ortet der Rat hier noch Optimierungspotential, um das Parlamentsgeschehen dem Publikum näher zu bringen und den gewünschten Blick hinter die Kulissen zu liefern. Hinterfragt wurde in der Diskussion der Informationswert der Parlamentarier-Runde. Die
meisten Ratsmitglieder nehmen dieses Sendeelement eher als „Mini-Arena“ wahr. Somit sei auch die latente Gefahr der Partei- und Wahlkampf-Rhetorik gegeben.
«Schweiz aktuell»: Gute Noten, aber Fragezeichen zum Logenplatz
«Schweiz aktuell» hält, was es verspricht, findet der Publikumsrat SRG.D. Die tagesaktuelle Nachrichtensendung auf SF 1 präsentiert die Ereignisse in den Regionen publikumsnah und abwechslungsreich. Kritisch beurteilt wird allerdings die
interaktive Form des Logenplatzes.
Das Nachrichtenmagazin «Schweiz aktuell» im Schweizer Fernsehen bietet dem regionalen Geschehen genügend Raum – und dies mit vielfältigen, meist tagesaktuellen, mitunter etwas langfädigen Beiträgen, urteilt der Publikumsrat. Dass die meisten Beiträge Gesellschaftsthemen behandeln, wird von einem Newsgefäss dieser Art erwartet. Dennoch
wird das Verhältnis zwischen Nachrichten und Magazinstoff mehrheitlich als ausgewogen beurteilt. Die journalistischen Darstellungsformen – Kurzbeiträge, News, Interviews und Reportagen – sind sinnvoll eingesetzt. Zur Relevanz bestimmter Themen setzen einige Ratsmitglieder ein Fragezeichen.
Ausdrücklich gelobt wird das Bemühen, auch über Randregionen und ihre Probleme zu berichten. «Schweiz aktuell» berichtet nach Einschätzung des Publikumsrates nicht mehr so stark zentrumsorientiert, sondern bemüht sich, Themen aus verschiedenen Regionen exemplarisch darzustellen. Dem Moderationsteam wird Professionalität und Glaubwürdigkeit
attestiert. Ausdrücklich schätzt der Rat die Sprachkompetenz und die verschiedenen Dialekte der Moderatorinnen und Moderatoren.
Deutliche Ablehnung erfährt der Versuch mit dem Logenplatz – der Einbezug der Zuschauenden via Webcams: Hier sieht der Publikumsrat bessere Möglichkeiten, das Publikum einzubeziehen, und regt ein Überdenken an. Die Sonderserien – diesen Sommer zum Thema Pfahlbauer – lösten eine kontroverse Diskussion aus. Der Rat brachte in der Diskussion
Verständnis für die Argumente der Macherinnen und Macher auf. Trotzdem ist er der Ansicht, dass derartige Sonderserien nicht zulasten der aktuellen Berichterstattung gehen dürfen.







