Grosse Plattenfirmen lassen Radiostationen für CD’s zahlen!

«Vor rund einem Monat haben die grossen Schweizer Musik-Labels die Zusammenarbeit mit den alternativen Radiostationen faktisch beendet», schrieben die im Verein UNIKOM zusammengeschlossenen Sender am Dienstag in einem Communiqué. Allein in der Deutschschweiz erreichen sie eine halbe Million Hörerinnen und Hörern – dies sei ein substantielles Publikum.
Nachdem sie sich geweigert hätten, das Music Promotion Network MPN zu nutzen, würden sie von den vier Majors weder mit Musik noch mit Informationen beliefert, und auch Interviews mit Künstlern der jeweiligen Firmen seien nicht mehr möglich, hiess es weiter.
Der Medienzugang auf MPN sei gratis, erklärte das Unternehmen gegenüber der SDA. «Die technische Anbindung an Radiostationen» allerdings verursache Kosten, unter anderem wegen der notwendigen sicheren Leitungen und der Qualitätssicherung.
Dem widerspricht Oliver Miescher von Kanal K: Die Radios beziehen von vielen kleineren Labels gratis Musik in Form von digitalen Downloads in hoher Qualität.
Keiner verdient
Wie hoch der Beitrag für MPN ist, war vorerst nicht zu erfahren, da der zuständige Geschäftsführer Chris Wepfer in den Ferien weilt. Auf über 3000 Franken jährlich schätzt ihn Miescher. Ein Klacks für einen kommerziellen Sender, aber für kleine Radios wie Lora in Zürich, Rabe in Bern oder das Sehbehindertenradio Blindpower ein Betrag, der «das Budget sprengt oder erheblich belastet».
Die Labels verdienen laut EMI-Promotionschef Carlo Pozzi an MPN «nichts, im Gegenteil». Die Labels hätten eine erhebliche Summe für die Entwicklung und Implementierung von MPN aufgewendet. Ausserdem koste der Upload eines Beitrags 100 bis 130 Franken, «mehr also als die Versandgebühren für CDs an alle Schweizer Radios».
Die Plattenfirmen betrachten deshalb die sogenannte Bemusterungs- Plattform als Service für die Radios, nicht als Ausbeutung.
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Hiobsbotschaft für die Alternativradios
Für die alternativen Schweizer Radios war es eine Hiobsbotschaft: per Ende März haben die grossen Plattenfirmen Universal, Warner Music, Sony und EMI die kostenlose Bemusterung eingestellt. Ziel dieser Aktion war, dass die Radiostationen in Zukunft ihre Musik von der Webplattform MPN (Musik Promotion Network) beziehen. Diese wurde im Voraus von den Journalisten bereits heftig kritisiert, mitunter weil sie kostenpflichtig ist: schon nur der Zugriff auf die Plattform kostet jährlich pauschal 2000 Franken, wie Klein Report berichtet.
Davon betroffen sind auch verschiedene auf Radioplay vertretene Sender, etwa Radio 3Fach, Kanal K, toxic.fm, Radio X, Radio Industrie, Radio Blind Power, Radio LoRa, Radio RaBe, Radio RaSa oder Stadtfilter Winterthur, wie Klein Report weiter schreibt. Nun sei jedoch eine Lösung in Sicht.
Hilfe naht
Der Motor-Music-Gründer Tim Renner macht’s möglich. Gemäss Klein Report hat der Chef des deutschen Plattenlabels ein Hilfspaket an die Schweizer Alternativradios geschickt, eine weitere Gratisbemusterung ist für die Sender nun möglich. Damit haben die oben erwähnten Sender weiterhin die Möglichkeit, neue Musik etwa von Polarkreis 18 abzuspielen.